Vor etwa drei Wochen habe ich mir ein Madison- Piercing in der Drosselgrube (lat. fossa iugolaris; die Grube am Hals zwischen den beiden Schlüsselbeinenden) stechen lassen und ich möchte euch mal erzählen, wie das so war....
At A Glance Author ava Contact ava@bme.anon When Two years ago Artist Ralph Fees und Roland Zwicknapp Studio Visavajara Location Freiburg (Germany) Nachdem ich mich entschlossen hatte, mich an dieser Stelle piercen zu lassen, habe ich mich nach einem guten Piercingstudio in Freiburg umgehört und bekam von vielen Seiten das Visavajara empfohlen (was ich auch nur allerwärmstens weitermepfehlen kann). Ich bin hingegangen und wurde von einem angenehmen und stylischen Ambiente empfangen: dunkelblaue Wände, Schmuckvitrinen, Schmiedeeiserne verzierungen an den Decken und an der Tür, dazu nette Musik und der Duft von Räucherstäbchen. Roland begrüßte mich, ich sagte, was Sache ist und wurde natürlich erstmal ordnungsgemäß über allles aufgeklärt und informiert. Danach gings in einen sehr hygienischen, dennoch nicht ungemütlichen "OP- Saal" oder halt "Piercingraum" und Ralph, mein Piercer, begann, sorgsam die Werkzeuge, den Schmuck und die übrigen Utensilien vorzubereiten. Währenddessen unterhielten wir uns eigentlich ganz gut und lachten viel, was mir sehr half meine vorfreudige Aufregung etwas im Zaum zu halten. Ralph begann, mi t einem schwarzen Stabilo- Stift die Punkte an meinem Hals zu markieren, an denen später die Haut durchstochen werden sollte. Das halt sehr viel Zeit in Anspruch genommen, denn ständig stimmte der Abstand nicht zehntelmillimetergenau, die Punkte waren zu hoch oder zu tief oder schräg angesetzt, ein kleiner Leberfleck war im Weg und so weiter. Ralph zog auch immer mal zwischendurch seinen Kollegen Roland zu Rate und wir besprachen die Markierungspunkte dann zu dritt. Nach über einer Dreiviertelstunde (!!!) endlosen und mittlerweile auch nervenaufreibenden Herumprobierens, Abmessens und ständigem entfernen der Punkte mit Alkohol und immer wieder neues markieren war a) meine Haut supergereizt, feuerrot und hat gebrannt wie nichts Gutes und b) meine Vorfreude und Aufgeregtheit mittlerweile an ihrem absoluten Höhepunkt, so dass, ehrlich gesagt sogar mein Unterkiefer ein bisschen klapperte. Dann - endlich! - konnte ich mich hinlegen, die Piercinginstrumente wurden an die Liege ge schoben und Ralph und Roland standen beide über mich gebeugt und berei teten das Piercing vor. Ralph klemmte meine Haut ab ( was wirklich schon ziemlich weh tat!), ich schloss vorsichtshalber mal die Augen ( ich hätte ja eh nichts sehen können) und wartete auf den Schmerz. Und der kam dann auch. Allerdings hat es nicht nur ziemlich weh getan sondern war auch eine Art von Schmerz, die ich bisher noch nie - auch nicht annähernd - irgendwie erfahren hatte: Ich konnte ganz exakt spüren, wie die Nadel in die Haut drang, wie sie durch die Haut und das Gewebe durchging und wie sie auf der anderen Seite wieder rauskam. das war echt ein krasses Gefühl und es tat auch zeimlich weh, aber es war trotzdem irgendwie kein unangenehmer schmerz. dann war das vorbei, ich merkte, dass ich ein paar kleine Tränen in den Augen hatte und hörte jemanden von den beiden sagen: "Ava? Gehts dir gut?" Ich glaube ich habe genickt oder "ja" gesagt oder sowas. dann hörte ich Ralph sagen: "So, wir müssen jetzt nur noch den Schmuck einführen, das wird nochmal ein bisschen wehtu n" - und keine drei Sekunden später tat es weh, war aber dann auch schnell wieder vorbei. Ich öffnete die Augen, sah wieder die beiden Piercer und versuchte mich aufzusetzen, doch Roland drückte mich wieder runter und sagte, ich sollte noch ein paar Minuten liegen bleiben. Das war wohl auch ganz gut so, denn als ich mich nach etwa fünf Minuten aufsetzte, merkte ich tatsächlich, dass mein Kreislauf irgendwie nicht so richtig tickte...aber es war schon okay; ich war halt etwas wackelig auf den Beinen und hatte ein matschiges Gefühl im Kopf, mehr aber auch nicht. Roland verschwand und kümmerte sich um die anderen Kunden, Ralph setzte sich neben mich und tupfte mit einem Wattestäbchen das bisschen Blut rund ums Piercing weg. Ich saß einfach da und starrte im Spiegel glücklich auf mein Piercing. Zum Schluss bekam ich ein riesengroßes Pflaster verpasst, eine schriftliche Pflegeanweisung und eine Visitenkarte, auf der auch Ralphs und Rolands Privatnummern standen - für den Notfall . Danach bin ich erstmal was essen gegangen, denn schlagartig war die ganze aufregung von mit abgefallen und ich hatte auf einmal mords hunger.
Bisher ist das Piercing sehr gut verheilt. Gegen Ende der zweiten Woche wurde es mal für zwei drei Tage abartig rot und juckte bestialisch, aber auch das ging vorbei. Jetzt, nach drei Wochen (ich reinige das Piercing mittlerweile nur noch mit Wasser) ist es überhaupt nicht mehr gerötet und sieht eigentlich schon sehr gut verheilt aus. Bis zur endgültigen Ephitelisierung (ha! Fremdwort! ;)) dauert es wohl bis zu einem halben Jahr, aber ich sehe gute Chancen, dass das ein Gutes Ende nimmt. Ich hoffe nur auch, dass es nicht rauswächst, denn ich liebe dieses Piercing von Tag zu Tag mehr und wäre schon sehr traurig, wenn es nicht gut verheilen oder sogar rauswachsen würde.