Wenn man sich ein wenig mit den verschiedensten Formen der Bodyart befasst, dann liest man immer wieder davon, dass gerade junge, noch nicht volljährige Menschen Probleme damit haben, ihre Eltern von ihrem Wunsch auf ein Piercing, ein Tattoo, etc. zu überzeugen. Meine Zwillingsschwester und ich dagegen sind in der beneidenswerten Lage, dass unsere Eltern schon seit längerer Zeit, also schon seit Zeiten, als z.B. Piercings noch nicht trendy waren, auf Piercings stehen. Da sie selbst etliche Piercings haben, fiel es uns leicht, von ihnen die Erlaubnis für diverse Piercings zu bekommen. So lies ich mir mit 14 einen Nasenring sowie mit 15 je ein Zungen- und Bauchnabelpiercing stechen, meine Schwester hatte mit 15 schon ein Bauchnabelpiercing und ein Labret. Andrea, die Stammpiercerin meiner Eltern, sagte allerdings immer wieder, dass sie dies nicht bei jedem Kunden in diesem Alter machen würde, aber bei uns könne sie sich ja sicher sein, dass wir wüssten, was wir taten.
At A Glance Author Rika Contact Rika@bme.anon When Two years ago Artist Andrea Location Dortmund Irgendwann rückte dann der 16. Geburtstag näher. Als unsere Eltern fragten, was wir denn gerne als Geschenk bekommen würden, war uns beiden recht schnell klar, dass wir neue Piercings wollten. Bei unseren Eltern hatten wir ja schon einiges gesehen, egal ob am FKK-Strand oder in der Sauna, insofern war uns Beiden bald klar, dass wir Intimpiercings wollten – beide jeweils zwei Ringe an den inneren Schamlippen. Als wir das offenbarten, mussten unsere Eltern doch erst einmal ein wenig schlucken, aber schließlich akzeptierten sie, dass ihre Töchter wohl langsam erwachsen würden. Bald darauf gingen wir alle zusammen zu Andrea und erklärten unsere Wünsche. Auch sie war zunächst nicht begeistert, willigte dann jedoch ein.
Unsere Eltern füllten gleich die Einverständniserklärung aus und wir machten einen Termin zwei Wochen später aus, um zur Tat zu streiten. Bis dahin wären wir 16.
Zwei Wochen später machten wir uns also gemeinsam auf zu Andrea, natürlich entsprechend vorbereitet, z.B. komplett rasiert und mit lockerer, bequemer Kleidung. In weiser Voraussicht hatte ich auf meine geliebten knackengen Jeans verzichtet und mich für einen langen, weiten Rock entschieden. Meine Überlegung war, dass ich darunter im Notfall auch auf einen Slip verzichten könnte, wenn dieser nach dem Stechen zu arg drücken würde.
Meine Schwester und ich hatten vorher vereinbart, dass ich als die zehn Minuten Ältere mich zuerst löchern lassen würde. Meine Schwester durfte allerdings mit in den Piercingraum kommen und alles genau beobachten. Andrea hatte in ihrem Studio einen gynäkologischen Stuhl, auf dem ich es mir soweit wie möglich bequem machen durfte. Vorher klärten wir jedoch noch ab, was für Schmuck ich haben wollte. Ich hatte mich schon vorher für 2 Titan-BCR mit einer Materialstärke von 2 mm, aber einem Durchmesser von nur 8 mm, entschieden. Sie gefielen mir einfach am Besten. Als das alles geklärt war, fing Andrea erst einmal mit dem Desinfizieren meiner intimsten Körperstelle an, ehe es ans Anzeichnen ging. Ich hatte mich entschieden, mir die Ringe soweit oben wie möglich stechen zu lassen, einfach deshalb, weil ich dann gegebenenfalls später noch weitere Ringe ergänzen zu einer Labia Ladder ergänzen lassen könnte.
Das Stechen selbst war nicht weiter schlimm, nur das Einsetzen des Schmucks ziepte dann doch ein wenig. Die ersten paar Tage war es ein ungewohntes Gefühl, diesen Schmuck zu spüren, aber bald war es das Normalste der Welt. Ich konnte auch relativ bald wieder Radfahren und Reiten.
Das dicke Ende kam dann aber, als ich das nächste Mal meine Frauenärztin aufsuchte. Sie fand meine Piercings scheinbar nicht so toll und konnte mir überhaupt nicht glauben, dass ich sie mir in „meinem zarten Alter", wie sie sagte, freiwillig hatte stechen lassen. Immer wieder fragte sie nach, ob man mich denn dazu gezwungen hätte. Ich dachte mir nichts weiter dabei, aber einige Zeit später erhielten meine Eltern eine Vorladung zur Polizei. Dort stellte sich heraus, dass sie eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs ihrer Tochter bekommen hatten. Jemand (dessen Name natürlich nicht genannt wurde, aber es konnte eigentlich nur meine Gynäkologin sein) hatte diese Anzeige erstattet. Meine Eltern mussten sich einige böse Worte seitens der Polizisten gefallen lassen, ehe man auf die rettende Idee kam, meine Schwester und mich dazu zu holen. Natürlich erklärten wir ausdrücklich, dass die Piercings alleine unsere Idee gewesen waren, aber auch das überzeugte die Polizei noch nicht, so dass schließlich Andrea, unsere Piercerin, dazu geholt wurde. Sie schaffte es schließlich, die Polizei einigermaßen zu überzeugen. Dennoch dauerte es noch einige Wochen, bis von der Staatsanwaltschaft ein Schreiben kam, dass das Verfahren gegen meine Eltern eingestellt würde.
Einige Zeit nach meinem 16. Geburtstag lernte ich meinen heutigen Freund kennen. Als wir uns näher kamen, war er über meine Piercings doch recht erstaunt, denn damit hatte er nun wohl wirklich nicht gerechnet. Recht schnell lernte er sie jedoch zu schätzen, so dass wir sie in unser Liebesspiel einbauen konnten. Ich wollte sie bald nicht mehr missen und es wuchs der Wunsch nach mehr. Diesen Wunsch erfüllte ich mir auch sukzessive. Heute bin ich 19 Jahre jung und habe neben den schon erwähnten Piercings im Nostril, in der Zunge, im Nabel und in den Inneren Schamlippen noch einige Piercings mehr: 1 Bridge, 1 Septum, 1 Madonna, 1 Labret, je 2 in beiden Brustwarzen, je 3 weitere in beiden inneren Schamlippen sowie je ein horizontales und vertikales Clithood. Außerdem habe ich damit begonnen, mir einen kompletten Bodysuit tätowieren zu lassen. Aber darüber werde ich irgendwann vielleicht einmal gesondert berichten.