Seid meiner Kindheit war ich irgendwie in Piercings vernarrt: erst wollte ich nur Ohrringe, die mir meine konservativen Eltern verboten. Das Resultat war, dass ich mich nach Alternativen umschaute und auf die damals grade aufkommenden Piercings kam.
At A Glance Author Julius IAM richie2000 When Six months ago Artist ich Studio in meiner Wohnung
Inzwischen können mir meine Eltern schon lange nichts mehr vorschreiben und ich habe ein Zungen-, ein Brustwarzen- und ein Bauchnabelpiercing – alle selbstgestochen. Dies hat mehrere Gründe: Am Anfang hatte ich schon Angst überhaupt in ein Piercingstudio reinzugehen. Irgendwie hatte ich furchtbare Angst überhaupt entdeckt zu werde. Des weiteren wollte ich keinen Anderen ranlassen, was für meinen PA noch mehr als für alles andere gilt. Schließlich habe ich auch noch das Glück, dass ich Zugang zu medizinischen Geräten habe und so nicht nur sterile Nadeln habe, sondern auch noch meinen Schmuck sterilisieren kann. Das ganze ist zusätzlich mit einer medizinischen Ausbildung kombiniert, weshalb ich auch denke zu wissen, wo ich steche. Ich glaube ohne die letzten beiden Punkte hier wäre die ganze Geschichte auch wesentlich gefährlicher und auf jeden Fall nicht zum Nachahmen geeignet!
Nach längeren Überlegungen (ich rede von Monaten) entschloss ich mich als nächstes Piercing zu einem PA und nach einigen Vorbereitungen saß ich da mit sterilem 2mm Ring und einer Venenverweilkanüle. Größer ging leider nicht, da nur Kanülen bis 2mm im normalen medizinischen Bereich gebräuchlich sind; ansonsten hätte ich 2,4mm genommen, da das meistens für einen PA empfohlen wird.
Als erstes wusch ich noch mal gründlich meinen Penis und dann führte ich vorsichtig die Nadel in die Harnröhre ein. Profis ziehen wohl bei der „Innen-Nach-Außen-Methode" die Nadel ein bisschen in die Hülse (die die Nadel umgibt) zurück, um die Harnröhre beim Einführen nicht zu verletzen, aber ich merkte schnell, dass das beim Selbermachen zu kompliziert werden würde. Außerdem habe ich ja den Vorteil, dass ich merke, wenn ich irgendwo drankomme – ein Piercer erst wenn es zu spät ist.
Nun drückte ich vorsichtig mit der Nadelspitze unten gegen die Harnröhre, so dass ich sehen konnte wo ich war und wo ich das Piercing haben wollte. Als ich dann an der richtigen Stelle war, nahm ich ein Stück Kork, hielt es von unten dagegen und stach mit der Nadel durch die Harnröhre in den Kork hinein. Der Schmerz war wie ein starkes Zwicken: es tat zwar weh, hielt sich aber sehr in Grenzen.
Nun zog ich die Nadel aus der Hülse und schnitt den Rest der Hülse, den ich nicht mehr brauchte ab. In die Hülse, die dann noch im frischen Piercing steckte führte ich dann den Ring ein. Danach konnte ich auch die Hülse herausziehen, so dass nur noch der Ring im Piercing übrig blieb. Kugel rein. Fertig. Mein Penis war geadelt und ich war überglücklich :-)
Jetzt kam aber ein neues Problem, was ich bis dahin bei den anderen Piercings nicht so stark gehabt hatte: die Blutung. Aber gut: wo Blut rauskommt, können auch so leicht keine Erreger rein. So wartete ich eben 5-10 Minuten und auch die Blutung hatte ein Ende – vorerst. Danach musste ich erstmal auf Toilette und wie ich erwartet hatte (es gibt ja genug Berichte) brannte es. Ich fand es aber erträglich. Außerdem kam auch Blut mit raus und auch die andere Seite begann wieder zu bluten. Nachdem ich aber alles mit Wasser abgewaschen hatte, hörte es nun auch einigermaßen schnell wieder auf zu bluten. Zum Schutz klebte ich locker ein breites Pflaster vor das Piercing, was auch erstmal gut ging.
Am nächsten Morgen gab es dann ein böses Erwachen: dem Piercing ging es zwar soweit gut, doch nicht meiner total vollgebluteten Bettwäsche. Es blieb aber bei dieser einen Nacht, in der das Piercing blutete.
Ansonsten lief dann aber alles so wie es sein soll: die ersten 2-3 Tage brannte die Wunde beim pinkeln noch und auch Blut kam anfangs mehr, dann immer weniger mit dem Urin raus. Ich badete das Piercing außerdem zweimal täglich mindestens 15 Minuten in Emser Salzlösung. Das gibt's in kleinen Beuteln in der Apotheke und machte auf mich jedenfalls einen besseren Eindruck als einfaches Kochsalz. Die Prozedur sah zwar etwas bescheuert aus, danach war aber ohne großes Zutun das Piercing total sauber und fühlte sich auch gut an.
Nach zwei Wochen hatte ich das Gefühl das Piercing sei soweit abgeheilt und ich setzte einen 2,4mm Ring ein, was auch keine Probleme bereitete.
Ein Problem, was viele PA-Träger wohl haben, hatte ich auch nicht: solange ich mit vorgezogener Vorhaut pinkelte, hatte ich einen wunderbaren Strahl (mit zurückgezogener Vorhaut natürlich nicht). So musste ich also doch nicht in das Lager der Sitzpinkler überwechseln :-)
Ein weiteres Problem gab es aber dann doch: nachdem meine damalige Freundin erstmal nichts dagegen hatte, dass ich mir einen PA machen lasse (ja: auch sie wusste nicht dass ich das in Wirklichkeit selber mache). Nach drei Wochen sahen wir uns dann aber wieder und nachdem sie schon befunden hatte, dass er nett aussah, hatte sie aber Angst, dass er irgendwie in ihr hängen bleiben könnte. So nahm ich ihn schweren Herzens wieder heraus und er wuchs innerhalb von einer Nacht wieder zu. Inzwischen muss man schwer suchen, um die kleine Unregelmäßigkeit zu entdecken, wo mal das Loch war...
Ich trauer meinem PA immer noch nach, doch wer weiß, vielleicht steche ich ihn mir irgendwann doch wieder neu – und dann bleibt er drin :-)