Als vor einigen Jahren die ersten gepiercten Leute im Strassenbild auftauchten, fand ich den Gedanken, mit einem Stück Stahl im Gesicht herum zu laufen, ziemlich abwegig. Das ein Piercing auch an anderen Stellen des Körpers möglich ist, fiel mir solange nicht ein, bis ich das erste Mal ein Intimpiercing sah. Das war zwar bei einer Frau, aber so etwas sollte auch bei einem Mann möglich sein. Das fand ich dann gar nicht mehr abwegig, sondern es reizte mich und der Gedanke an irgendetwas Metallenem zwischen den Beinen fing an, interessant zu werden. So suchte ich mir im Laufe der Zeit Informationen zusammen, wo immer ich sie bekommen konnte.
At A Glance Author oxtorner Contact oxtorner@bme.anon When A month ago Artist selbst Studio zu hause Location Hamburg Nach langer Zeit setzte sich bei mir der Gedanke an ein Hafada fest. Anfragen in Studios ergaben aber recht schnell, dass ich mir so etwas nicht ohne weiteres leisten konnte. Aber der Gedanke blieb immer in meinem Kopf. Eines Tages stieß ich durch Zufall auf einen Internetshop, der Piercingschmuck vertrieb und bestellte mir spontan ein Barbell von 1,6 mm Stärke und einen Ring mit 2,2 mm Stärke. Nach wenigen Tagen trafen sie ein und nun lagen sie bei mir auf dem Schreibtisch. Fast jeden Tag nahm ich den Schmuck in die Hand. Von diesen kleinen Metallteilen schien eine starke Aufforderung aus zu gehen!
Von einem kurzen Krankenhausaufenthalt brachte ich mir dann eine passende sterile Braunüle und eine Klemme mit, aber noch immer fehlte mir der Mut, zur Tat zu schreiten. Letzten Monat war es dann endgültig so weit, dass ich der Aufforderung nachkam: Eines Abends packte ich den Schmuck und kochte ihn in der Küche ab.
Während der Schmuck kochte, duschte ich mich und rasierte meinen Sack. Ich probierte verschiedene Stellen aus, bis ich mit dem möglichen Ergebnis zufrieden war. Den Schmuck legte ich in Desinfektionsmittel, desinfizierte mich selbst und setzte mich auf mein Bett, den Rücken gegen die Wand gelehnt. Weil ich nicht wusste, ob und wie stark es bluten würde, hatte ich als Unterlage ein Badehandtuch und zusätzlich einige Blatt Küchentuch genommen. Eine starke Schreibtischlampe sollte das Operationsfeld beleuchten. Auf einem sauberen Geschirrtuch breitete ich den Schmuck, die Klemme und die Nadel aus, dann zog ich sterile Handschuhe an. Ich setzte bequem hin und legte die Klemme an. Nach einigem Gefummel saß sie an der richtigen Stelle.
Jetzt musste der schmerzhafte Teil kommen. Ich setzte die Braunüle an, konnte mich aber nicht überwinden, sie durch die Haut zu stechen. Sobald die Nadel die Haut berührte, brachte ich es einfach nicht fertig, zu zu stechen. Das allerdings ärgerte mich. Ich entspannte mich und atmete einige Male tief durch. Dann setzte ich erneut an, biß die Zähne zusammen und drückte. Die Nadel durchstieß die erste Schicht der Haut und ich konnte den leichten Widerstand spüren, den die obere Hautschicht verursachte. Nochmal Widerstand, dann war die Nadel durch. Das alles hatte fast nicht weh getan, dafür strömte jetzt das Adrenalin durch meine Körper und meine Hände zitterten. Nach einigen weiteren, tiefen Atemzügen betrachtete ich das Ergebnis und war stolz und zufrieden. Die Nadel war durch und zu meiner Überraschung auch an der richtigen Stelle. Jetzt konnte ich die Nadel herausziehen, nur das Teflonröhrchen der Braunüle blieb drin. Das Barbell konnte in das Ende des Teflonröhrchens gesteckt werden und ich zog es durch das Loch. Das ging ganz leicht und war völlig schmerzfrei. Mein neuer Schmuck war drin! Jetzt nur noch die Kugel aufschrauben und fertig war die Operation.
Ich ging erstmal ins Badezimmer und betrachtete meinen veränderten Sack ausgiebig im Spiegel. Das neue Aussehen begeisterte mich und ich hatte das Gefühl, dass es eigentlich schon immer so hätte aussehen müssen. Mein Schmuck machte mich glücklich und stolz. Leider habe ich zur Zeit niemanden, dem ich dies zeigen könnte.
Obwohl kein Blut geflossen war, klebte ich ein Pflaster über das Piercing. Einmal, um mögliche Blutungen auf zu fangen, aber auch, weil ich die Bewegung des Metalls in den neuen Löcher spürte. Fixiert durch das Pflaster fand ich es beim Laufen angenehmer. Im Pflaster fand ich dann am nächsten Morgen einige kleine Tröpfchen Blut. Bis auf ein leichtes Druckgefühl am nächsten und übernächsten Tag hatte ich keine weiteren Schmerzen oder Unannehmlichkeiten. Danach fühlte es sich noch einige Tage leicht wund an, aber nach zwei Wochen war nichts mehr zu spüren. Dafür nahm mit jedem Tag der Heilung das geile Gefühl zu, dass das Metall in meinem Sack verursachte.
Die Nachsorge beschränkte sich auf das Waschen mit einer desinfizierenden Waschlotion. Nach drei Tagen entfernte ich das Barbell und reinigte es gründlich. Danach wurde es desinfiziert. Das erneute Einsetzen war ein wenig schwierig, weil sich die Löcher zusammen zogen, ging aber mit ein wenig Nachdruck.
Nochmal selber machen? Nein, definitiv nicht. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Adrenalin während des Einsetzens mich am Überlegen gehindert hat. Wäre etwas schief gegangen, hätte mir die notwendige Distanz gefehlt, das Richtige zu tun. Insgesamt, auch wenn es bei mir geklappt hat und völlig komplikationslos verlaufen ist, wäre es einfacher und wesentlich besser gewesen, ein wenig zu sparen und einen Profi die Arbeit machen zu lassen. Das werde ich auch demnächst tun, denn mittlerweile finde ich, dass noch ein weiteres Piercing in meinen Sack gehört.