Ampallang und Dydoe
At A Glance
Author Michael
When N/A
Artist Arnd
Studio Pleasure & Pain
Location Esslingen / Neckar (Germany)
Schon seit einigen Jahren ging mir ein Ampallang durch den Kopf, aber meine Anfrage in unterschiedlichen Piercingstudios wurde immer wieder abgelehnt, teils, weil sie ihn generell nicht stechen würden, teils, weil ich bisher noch keine Piercings hatte und der „nichts für Einsteiger" sei. Ich bin da anderer Meinung, und schließlich wurde ich bei Pleasure & Pain in Esslingen (Raum Stuttgart) fündig.

Ich kam im Herbst 1999 eines Abends eher zufällig an dem Studio vorbei und sah, daß da noch jemand drinnen arbeitete, obwohl die Öffnungszeit eigentlich schon vorbei war. Ich hatte an dem Abend nichts mehr zu tun, also ging ich hinein und fragte, ob Arnd, wie er sich vorstellte, noch ein bißchen Zeit hätte. Er meinte ja, mehr als ihm lieb war. Sein Auto war nämlich zugeparkt, und nun mußte er warten. Also warteten wir gemeinsam und bestellten uns eine Pizza. Wir kamen ins Gespräch, und ich fragte ihn wegen eines Ampallang und erfuhr, daß er bisher noch keinen gestochen hatte. Generell würde er dieses Piercing nicht ablehnen, aber bevor er ihn bei mir stechen würde, wollte er sich erst noch genau informieren. Positiv war, daß ich keine Vorhaut mehr habe, so daß die Chancen für eine relativ zügige Heilung gut stünden, da die Eichel trocken lag. Etwa eine Woche später rief ich ihn wieder an, und wir vereinbarten den ersten Dezember als „Stichtag".

Der Tag kam, und ich begab mich - durchaus mit weichen Knien - ins Studio. Es waren noch einige Kunden da, und Arnd meinte, er wolle erst alle anderen Arbeiten abschließen, dann könnten wir in Ruhe zur Tat schreiten. So schaute ich mir das Fotoalbum mit unterschiedlichen Piercing-Fotos an. Nachdem alle anderen das Studio verlassen hatten, füllten wir die entsprechende Erklärung aus. Dann gingen wir in den Piercing-Raum, und Arnd zog eine neue Papierbahn über den Stuhl. Dabei erklärte er mir, daß er als Ersteinsatz einen PTFE-Stab nehmen würde, da an dem nichts festkleben kann, so daß die Heilung nicht weiter als nötig hinausgeschoben würde. Mit meinem „Wunschdurchmesser" 2,4 mm war er einverstanden. Er richtete die sterilisierten Werkzeuge und die noch eingeschweißte Nadel her, während ich mich freimachte. Beim Anblick der doch nicht ganz kleinen Nadel bekam ich ein komisches Gefühl in der Bauchgegend.

Ich hatte schon mit zwei Punkten markiert, wie ich mir die Plazierung vorstellte. Arnd sah sie sich an und meinte, das würde so passen. Der Stich sollte, von oben gesehen, mittig durch die Eichel und durch die Harnröhre gehen, wobei die Schwellkörper an ihrer vordersten Spitze gerade noch mit durchstochen würden (was sich später bezüglich des Gefühls als sehr gut herausstellen sollte).

Ich legte mich auf den Stuhl, und Arnd begann, die Eichel und Harnröhre zu desinfizieren, was sich hauptsächlich kalt anfühlte. Eine Betäubung wollte ich nicht, um den Piercingvorgang voll erleben zu können. Dann setzte er eine Fixierklemme so an, daß die Eichel zusammengedrückt wurde und die Ein- und Ausstichstelle in den Löchern der Klemme lagen. Er fragte mich noch einmal, ob alles ok sei, ich antwortete ja und bat ihn, möglichst langsam zu stechen. (Ich bin kein Fan der Augen-zu-und-durch-Methode.) Ich spürte, wie er die Nadel an der linken Seite ansetzte und begann, sie langsam und gleichmäßig durch meine Eichel zu drücken. Der Einstich war nur ein leichter Pieks, und die ersten Millimeter waren fast schmerzlos. Als er in den Bereich der Schwellkörperspitzen kam, spürte ich ein relativ intensives Brennen, das langsam weiterwanderte. Dann traf die Nadelspitze die Harnröhre. Dies erzeugte ein richtig scharfes Zwicken, das ich auch mit einer entsprechenden Lautäußerung kom mentierte. Es trat zweimal auf, beim Eintritt in die Harnröhre und gleich darauf beim Einstich in die rechte Hälfte. Dann wieder das gleichmäßig voranwandernde Brennen, und noch ein kurzer, starker Pieks, dann war meine Eichel komplett durchstochen. Arnd entfernte die Nadel aus dem umgebenden Kunststoffrohr und führte den Teflonstab ein, der auf beiden Seiten etwa 5 mm überstand. Das war jeweils kaum zu spüren im Gegensatz zum Herausziehen des Kunststoffrohres, was mich den Stichkanal noch einmal sehr intensiv in seiner ganzen Länge fühlen ließ.

Es blutete kaum, nur ein paar Tropfen. Arnd schraubte die beiden Kugeln auf, wickelte die Eichel in eine Wundkompresse und stülpte einen Latexhandschuh über das ganze, den er mit Klebeband fixierte. Dann gab er mir noch Tips für die Nachbehandlung und eine Flasche Octenisept mit.

Mit der Heilung ging es gut voran, auch wenn ich in den ersten Wochen bei ungeschickten Bewegungen manchmal heftig daran erinnert wurde, daß ich nun einen Ampallang hatte. Nach etwa sechs Wochen ersetzten wir den Teflonstab durch einen aus Metall, und nach ca. einem halben Jahr war das ganze abgeheilt.

Zeitsprung zum Sommer 2002:

Mit meinem Ampallang war ich nach wie vor zufrieden, aber ein Dydoe dazu wäre noch besser. Also rief ich Arnd an, der sich noch an mich erinnerte, und wir vereinbarten den 29. August. Diesmal war ich nicht mehr so aufgeregt wie bei meinem Ampallang, aber doch angespannt.

Ich hatte wieder Ein- und Ausstichstelle angezeichnet, links und etwas in halb-zwei-Uhr-Position, und der hintere Punkt oben auf dem Eichelrand. Aber diesmal war Arnd nicht einverstanden. Er meinte, der hintere Punkt sei zu weit oben, da würde das Piercing herauswachsen. Also einigten wir uns schließlich darauf, den Punkt auf „halber Höhe" zwischen Eichelrand und Übergang zum Schaft zu setzen.

Nach dem Ausfüllen des Papierkrams richtete Arnd die Geräte her und holte die Nadel aus der Verpackung, diesmal nahmen wir „nur" 1,6 mm. Ich nahm wieder auf dem Stuhl Platz. Arnd desinfizierte meine Eichel und meinte, daß ein Dydoe oft noch heftiger sei als ein Ampallang, aber ich wollte wieder keine Betäubung. Dann kam wieder die Frage, ob alles ok sei, und ich bejahte. Diesmal sollte es ohne Klemme gehen. Arnd setzte die Nadel parallel zum Schaft an der Hinterseite der Eichel an, und wir prüften die Plazierung. Als ich zustimmte, drückte er sie sofort ohne irgendeine Pause durch die Haut, so daß der Einstich schon passiert war, bevor ich mir deswegen Gedanken machen konnte. Dann schob er die Nadel langsam weiter bis zur Austrittsmarkierung. Es war ein seltsames Gefühl, kein Schmerz, eher, wie wenn man mit dem Fingernagel über die Eichel kratzt, nur eben tiefer drinnen. Der Austritt der Nadel war auch nicht sehr schmerzhaft, deutlich weniger, als ich erwartet hatte.

Nach dem Entfernen der Nadel führte er von hinten wieder einen Teflonstab ein und zog das Plastikrohr nach vorne heraus, was das Schmerzhafteste an der ganzen Prozedur war, aber es war schnell vorbei. Diesmal begann das Piercing zu bluten, und es dauerte etwa fünf Minuten, bis es wieder nachließ. Arnd meinte, das komme bei Dydoes oft vor, da sehr viele Adern im Eichelrand liegen.

Nach dem Aufschrauben der Kugeln wurde die Eichel wieder in eine Kompresse und einen Latexhandschuh verpackt. Diesmal behielt ich den Teflonstift länger, nicht weil das Piercing nicht abgeheilt wäre, sondern weil der Metallstift nicht lieferbar war. Im Dezember kam er dann aber, und wir wechselten ihn bei dem inzwischen vollkommen abgeheilten Piercing aus.

So, zum Schluß kommt meistens eine Art Resümee, so auch hier. In Diskussionsforen liest man oft, daß Ampallang und manchmal auch Dydoe zu heftig seien und man doch erst mal „kleiner" anfangen sollte, wobei diese Kommentare eigentlich immer von Leuten kommen, die diese Piercings selbst nicht haben. Ich habe bis auf den Ampallang und den Dydoe keine weiteren Piercings, und ich bin froh, daß ich mich nicht davon abbringen ließ, die Piercings stechen zu lassen, die ich wirklich wollte. In Rückblick kann ich sagen, daß beide durchaus auszuhalten sind - ich habe versucht, meine Empfindungen jeweils möglichst exakt zu beschreiben - und oft zu viel Wind um die Schmerzen gemacht wird.


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