DIY BWPs
At A Glance
Author Kyokugaisha
Contact kyokugaisha@gmx.at
When Three months ago
Artist ich selbst
Studio mein Zimmer
Location Oberösterreich
DIY BWPs

Vielleicht sollte ich zuerst ein bisschen über mich erzählen, damit man sich die Hauptdarstellerin dieser Story besser vorstellen kann. Ich bin 21 Jahre alt und lebe in einem 3000-Seelen-Kaff in Österreich. Ich studiere Informatik und verdiene meinen Lebensunterhalt als Webdesignerin, Softwareëntwicklerin und Englischnachhilfelehrerin. Meine Eltern sind eher gegen Piercings & Bodyart, aber mehr als ein »igitt« oder »meinst nicht es reicht langsam?« bekomme ich von ihnen nicht zu hören. Im großen und ganzen akzeptieren sie, dass die Gestaltung meines Körpers meine Sache ist.

In den letzten paar Jahren habe ich mir 13 Ohrlöcher und ein Lippenbändchenpiercing, sowie 2 Nabelpiercings selbst gestochen. Außerdem habe ich noch 2 Piercings im linken Nasenflügel. Alle sind einwandfrei verheilt. Nachdem ich im Sommer 2004 die gesamten Ferien brav arbeitender weise im Büro verbracht habe, wollte ich mir Ende August etwas gutes tun und habe beschlossen, dass ein neues Piercing her muss. Zuerst dachte ich an Zunge, ist aber nicht so ideal, wenn man im Job auch telefonieren muss. Intimpiercing war auch eine Option, wobei ich mir das Stundenlange sitzen im Büro nicht angenehm vorgestellt habe. Also beschloss ich, es wird ein Brustwarzenpiercing.

Gesagt getan. Schmuck (einen 1,2 x 12 mm Klemmkugelring aus chirurgischem Stahl, ich bin nicht allergisch auf Nickel) und einige 1,7er Braunülen hatte ich zu Hause, ebenso wie Desinfektionsmittel.

Nachdem ich das erste Paar sterile Handschuhe angezogen hatte, begann ich den zuvor mit Desinfektionsmittel gereinigten Tisch mit sterilen Wundkompressen auszulegen. Als eine Fläche, die groß genug für »Werkzeug« und Nadel war, habe ich die Nadel ausgepackt und dort hin gelegt. Den Ring, die Klemme und die Ringsprengzange hatte ich zuvor mit Sterilium desinfiziert. Auch diese habe ich auf die Kompressen gelegt. Danach habe ich die Handschuhe gewechselt und mich von meinen Klamotten befreit. Ich habe die rechte Brustwarze mit Isopropanol gereinigt, und Ein- und Austrittstelle für das Piercing markiert. Danach habe ich die BW mit Octenisept eingesprüht (doppelt hält besser) und erneut die Handschuhe gewechselt.

Jetzt wurde es ernst. Ich zwickte meine BW in die Klemme ein (schöööönes Gefühl. Und ja, ich weiß dass ich ein bisschen – oder ein bisschen mehr – masochistisch veranlagt bin), brachte die Nadel in Position und atmete noch einmal tief durch. Dann schob ich die Nadel durch die Brustwarze. Es tat zwar weh, aber nicht so sehr, wie ich befürchtet hatte. Ich merke, dass ich jede Menge Endorphin & Adrenalin im Blut hatte. Was für ein schönes Gefühl das war! Ich zog die Nadel aus dem »Schlauch« und kürzte diesen mit Hilfe einer Schere. Dann entfernte ich die Klemme und sah erstmal in den Spiegel. Ein eigenartiger und irgendwie erregender Anblick war das, meine Brustwarze mit einem Plastikschlauch quer durch zu sehen. Ein Blutstropfen bahnte sich seinen Weg gen Süden, und von dem Endorphinschub hatte ich ein grenzdebil aussehendes Grinsen im Gesicht.

Als nächstes griff ich nach dem Klemmkugelring und führte ihn ein Stück in den Plastikschlauch ein, den ich dann in die Brustwarze zog/schob. Ich kann wirklich nicht sagen, ob das weh tat oder nicht, da ich total high war. Also war der Ring in der BW, und ich hatte ein Stück blutverschmierten Plastikschlauch vor mir liegen. Auch die BW blutete jetzt stärker, da der Ring ja einen geringeren Durchmesser hatte, als die Nadel. Ich griff zu sterilen (natürlich! Habe ich schon erwähnt, dass ich ein Hygienefreak bin?) Mulltupfern und begann das Blut abzutupfen. Danach griff ich zu Ringsprengzange und Klemmkugel und schloss den Ring. Mehr Blut, mehr wegtupfen. Ich sprühte die BW mit Octenisept ein und legte mehr Mull darüber, den ich mit 4 kleinen Streifen Leukoplast (Leukoplast sensitive kann ich allen Leuten empfehlen, die normales Leukoplast schlecht vertragen. Gibt's bei DM, es ist weiß, die Rolle ist blau) fixierte.

Ich verräumte mein »Werkzeug« und setzte mich gemütlich auf meine Couch und genoss mit geschlossenen Augen das leichte Ziehen und Pochen in meiner BW. Maso eben. Noch immer war ich absolut high, und ich griff zum Telefon und rief eine Freundin an um ihr alles zu erzählen. In meinem Zustand muss ich absoluten Blödsinn geredet haben!

Die folgenden 2 Wochen bestanden aus Mull im BH tagsüber bzw. Mull und Leukoplast über die Nacht, sowie 5x täglichem Desinfizieren mit Octenisept und 2x täglichem Reinigen & Krusten entfernen. Ich hatte absolut keine Probleme mit dem BWP, es ist komplikationslos abgeheilt. Nach 2 Wochen wechselte ich den Schmuck zu 1,6 mm, was auch Problemlos ging.

Ein Monat nach dem ersten BWP beschloss ich, dass die zweite BW so ungeschmückt irgendwie langweilig aussieht, auch wenn ich normalerweise nicht für Symmetrie bin. Das zweite BWP ging genau so von statten wie das erste und ist ebenfalls Komplikationslos abgeheilt. Ich habe die BWPs jetzt 10 bzw. 6 Wochen, und sie scheinen verheilt zu sein, was mich selbst total wundert. Es heißt doch immer, dass BWPs sehr lange zum verheilen Brauchen? Auf jeden Fall hatte ich mit beiden keinerlei Probleme oder größere Schmerzen (auch nicht beim Piercen, soll ich jetzt »leider« sagen?), es tritt keine Wundflüssigkeit mehr aus und man kann wunderbar mit ihnen spielen.

Die Reaktionen von anderen waren gemischt, meine beste Freundin reagierte mit ihrem üblichen »igitt«, denn sie kann Piercings, Tätowierungen oder anderen Formen der Körperkunst absolut nichts abgewinnen. Ansonsten waren die Reaktionen positiv oder ein indifferentes »mir wurscht«.

Ich würde meine BWPs nie wieder hergeben, da ich vor den Piercings Schlupfwarzen hatte und die absolut nicht schön fand. Außerdem fühlen sie sich absolut genial und geil an, sie sind ein wunderbares Spielzeug und nebenbei noch wunderschön anzusehen. Ich bin sogar am überlegen, ob nicht ein zweites Piercing pro Brustwarze eine schöne Sache wäre... mal schauen was noch kommt.

Zuletzt möchte ich noch sagen, dass ich Selbstpiercingaktionen für keine gute Idee halte, und obwohl ich bei meiner Erfahrung versucht habe Risiken zu minimieren, würde ich jedem Empfehlen in ein gutes Studio zu gehen und sich dort perforieren zu lassen. Meine Erfahrung ist NICHT als Leitfaden zum Sich-selbst-Piercen zu verstehen!


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