Wie ich mein Bauchnabelpiercing bekam
At A Glance
Author anonymous
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When Ten years ago or more
Location Köln
Seitdem ich wohl 14 bin, hatte ich eine Schwäche für Piercings. Da ich Ohrlöcher weder damals mochte noch heute mag, sollte mein erstes Piercing ein Bauchnabelpiercing werden. Meine Eltern waren davon nicht angetan, daher versuchte ich meinen Schülerausweis zu ändern, das Ergebnis war leider nicht sehr überzeugend. Meine Schwester stand vor demselben Problem, war aber schon ein Jahr älter als ich und bis zu ihrem Geburtstag waren es nur noch wenige Wochen.

Als es so weit war, gingen wir gemeinsam ins Studio. Das Studio war uns von vielen Bekannten empfohlen worden und drinnen war es hell und roch es ein wenig wie im Krankenhaus. Issi zeigte der Frau am Empfang ihren Perso, unterschrieb einen Zettel und der Piercer nahm uns dann mit in das Zimmer. Auch hier erinnerte mich alles mehr an einen Zahnarzt als an ein Piercingstudio, wie ich es mir vorgestellt hatte. Neben einer Liege gab es drei oder vier Stühle und einigen hellen Schränken.

Der Piercer besprach mit meiner Schwester die nötigen Dinge. Ich saß so, dass sich nur das Gesicht meiner Schwester und ihre Schultern sehen konnte, und nach wenigen Minuten war dann auch schon alles geschehen. Ich blickte neidvoll zu Issi, die über das ganze Gesicht strahlte. Dann wandte sich der Piercer an mich und fragte, ob ich auch schon ein Bauchnabelpiercing hätte, oder ob die kleine Schwester bei uns die mutigere sei. Ich verstand erst nicht, doch dann begriff Issi: Obwohl ich die jüngere bin, war ich schon damals eine Ecke größer als sie, und Issi meinte irgendwas von wegen ich sei zwar älter, aber voll der Schisser. Dann verstand auch ich! Ich stritt natürlich alles ab und meinte, dass eigentlich auch ich eines wolle. Der Piercer lachte sich halb schlapp über uns und holte einen Zettel für mich, wurde dann aber ruhiger und meinte, ich solle nichts machen, was ich nicht wirklich wolle. Und wie ich wollte! Während er redete dachte ich mir ununterbrochen, dass er jetzt bloß nicht nach meinem Ausweis fragen dürfe. Er tat es nicht.

Schnell hatte ich die Erklärung ausgefüllt und unterschrieben und jetzt grinsten wir alle Drei.

Der Piercer bat nun mich auf die Liege und desinfizierte meinen Bauch, dann zeichnete er die Stelle, durch die er stechen wollte mit einem kleinen Punkt ein und meinte, das sei dieselbe Stelle, wie bei meiner Schwester. Ich schaute in den Spiegel, den er mir gab und ja, so gefiel es mir, genau so wollte ich es haben. Das Desinfektionsmittel war kühl auf der Haut und ich hatte eiskalte Füße, als er die Klammer an dem dünnen Häutchen befestigte. Er meinte, ich solle mich entspannen und ganz ruhig atmen, offenbar wirkte ich sehr verkrampft. Dabei musste ich mich nur beherrschen, nicht laut aufzulachen. Ich hatte im Leben nicht damit gerechnet, vor meinem sechzehnten Geburtstag das Piercing gestochen zu bekommen. Und nun war es doch soweit. Ich atmete noch ein paar Mal ein und aus, betrachtete die Lampe unter der Decke und dachte mir nur, wann der wohl endlich anfinge zu stechen. Es dauerte ewig, es kam mir vor wie Minuten, in Wirklichkeit waren es laut Issi nur ein paar Sekunden, dann stach er endlich.

Der Stich war kaum zu spüren, wie bei meiner Schwester. Das Einsetzen des Ringes tat ein wenig weh, aber sehr schlimm war es nicht. Ich betrachtete mein Piercing im Spiegel und Issi und ich tauschten vielsagende Blicke. Nun war das Piercing drin und nun war es egal, wie alt ich war. Der Piercer erklärte uns dann noch, wie wir unsere Piercings zu pflegen hätten und dass wir nur Hosen tragen sollten, die nicht am Piercing reiben. Zum Glück hatte meine Schwester all ihr Geburtstagsgeld dabei, so dass sie für mich bezahlen konnte und dann rannten wir fast raus und konnten kaum fassen, was gerade geschehen war.

Unsere Eltern waren sehr überrascht, als sie erfuhren, was passiert war. Sie reagierten klasse und meinten, wenn eine von uns das herbeigesehnte Piercing habe, dann wäre es OK, wenn auch die andere es hätte.

Die ersten Tage der Abheilung verliefen sowohl bei meiner Schwester als auch bei mir problemlos. Wir hatten eine Tinktur bekommen, die wir morgens und abends auftragen und den Ring dabei vorsichtig bewegen sollten. Doch dann rannte mir bei einem Punktspiel ein Mädchen in den Bauch und mein Piercing fing ganz leicht an zu bluten und in den Tagen darauf nässte es. Von da an war es immer ein wenig entzündet, mal mehr, mal weniger. Sobald ein wenig am Ring gezupft wurde, zum Beispiel beim umdrehen oder auch beim Bücken, tat es weh. Als dann der Sommer kam und ich ins Freibad wollte, musste ich mich entscheiden: Piercing oder Schwimmen, so dass ich es nach dreieinhalb Monaten herausgenommen habe.

Dennoch denke ich mit viel Freude an den Tag zurück, an dem ich es bekommen habe und die kleine Narbe, die geblieben ist, mag ich sehr gern.


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