Mein erstes Piercing
At A Glance
Author Steppelicious
Contact Rythmo@web.de
When Six months ago
Artist Christoph
Studio Trendfabrik
Location Wernigerode
Endlich war es soweit.

Ich habe mich entschlossen, mich piercen zu lassen.

Nach kurzer Suche über eine passende Stelle entschied ich mich zu einem Labret-Piercing, nun suchte ich mir ein Studio aus, welchem ich angemessenes Vertrauen entgegenbrachte. Gefunden habe ich die Trendfabrik in meiner Heimatstadt, Wernigerode.

Mit zittrigen Beinen und einem mulmigen Gefühl betrat ich den Laden. (Das Tätowier- und Piercingstudio liegt oberhalb eines Klamottenladens in einem Haus) Ich fragte, ob denn der Piercer da sei, nach kurzem Rufen bat er mich mit den Worten "Folge mir unaffällig!" zu sich hoch.

Wir klärten zusammen die zu stechende Stelle ab und regelten die Formalen Voraussetzungen für den Piercingvorgang, d.h. Altersfrage und körperliche Einschränkungen etc. Wir begaben uns in den Piercingraum und ich setzte mich auf den etwas dentistisch aussehenden Stuhl, nach kurzer Einweisung was geschehen wird, ging es auch schon los. Die Stelle (links in der Unterlippe) wurde markiert und schon holte er seine, für mein eh schon gestresstes Nervenkostüm, riesige Kanüle aus dem Fach, steril eingepackt war sie. er setzte an und stach durch meine Lippe. Die Schmerzen waren entgegen aller Erwartungen ertragbar, lediglich das verbleiben des Plastik-Halmes und dessen Herrausbefördern kratzten etwas an meiner Schmerzgrenze. Mit einem frischen Stecker mit einer (wirklich zu grossen) Kugel bezahlte ich die 33,33 €, welche als Angebot der "Stichtage" geradeso zu verkraften waren. Stolz machte ich erste Fotos und erntete Komplimente zu meiner ersten Modifikation.

Entgegen aller Meinungen sah es gut an mir aus. Es schmerzte die erste Zeit etwas, aber es war wirklich nicht schlimm, im Gegensatz die weibliche Bevölkerung war äußerst angetan von dem Piercing. Christoph (mein Piercer) empfahl mir, das Piercing möglichst in Ruhe zu lassen, nicht daran rumzuspielen und es nicht anzufassen, außerdem hat er mir gesagt, das es besser wäre, die folgenden 24 Stunden weder Alkohol noch Molkereiprodukte zu mir zu nehmen. Nun ja, ein guter Kumpel von mir hatte an dem Abend seinen 19. Geburtstag gefeiert. Da konnte ich dann eigentlich auch nicht "nein" sagen, ergo habe ich an diesem Abend soviel getrunken, wie lange nicht mehr. Sturzbetrunken bin ich dann mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Nächsten Tag wurden mir wilde Geschichten über das erzählt, was ich an dem Abend alles gesagt habe, eine sehr abenteuerliche Angelegenheit. Den darauffolgenden Tag war es noch schlimmer, ich bin zu einer Freundin gefahren, um einen ruhigen Abend mit ein paar Leuten zu verbringen. Diverse Trinkspiele und einige Alkoholitäten überzeugten mich dann von der Trinkfestigkeit der Anwesenden. Nun die nächsten Tage blieb ich dann ersteinmal zu Hause und habe mich erholt, angemerkt sei, das ich normalerweise nie Alkohol trinke und wenn dann nur in sehr kleinen Dosen, die Tage waren eine absolute Ausnahme.

Nun das Piercing entwickelte sich prächtig, es bildete sich sogut wie kein Schorf oder dergleichen, auch wildes Gewebe blieb selten. Molkereiprodukte wie Milch oder Joghurt konnte ich problemlos zu mir nehmen.

3 Monate nach dem Stechen entschloß ich mich das erste Mal das Piercing zu wechseln, es sollte ein offener Ring werden, mit 2 kleinen Kugeln. Also ging ich wieder zu meinem Piercingstudio und kaufte es mir, es sah gut aus. Ich bekam noch mehr positives Feedback durch meine Umwelt, so ziemlich alle fanden mein Piercing gut, außer meine Eltern. Ich lebe noch bei meinen Eltern, da ich mir, aufgrund meiner schulischen Ausbildung, noch keine eigene Wohnung leisten kann und will. Sie bezeichneten es als "Blech in meinem Gesicht, was hässlich ist und mich enstellt", Eltern eben. Kein Problem für mich, sie hatten es schnell verkraftet. Ich lebte mich mit meinem neuen halboffenen Ring gut ein und spielte so oft ich es konnte daran rum, das ergab so manchen dummen Kommentar eines Lehrers oder eines Schülers.

Lange konnte ich nicht mit dem halboffenen Ring nicht leben, ich durstete nach Veränderung, außerdem habe ich von einigen meiner Freunde und Bekannten gehört, das mir ein geschlossener Ring besser stehen würde. Also kaufte ich mir einen geschlossenen Ring. Die Kugel, die der Piercer auswählte war zu klein für mein Piercing, also flog es so manchesmal aus der Fassung, im Bus, an der Bushaltestelle (wo es ersteinmal 5 Meter weit flog und ich es einfangen musste, das war was..) und im Unterricht mehrmals. An einen Abend in einer Kneipe spielte ich wie immer nichtsahnend an dem Piercing rum, ohne zu ahnen was geschehen würde, die Kugel verabschiedete sich mal wieder, nach lange Suche, welche nicht erfolgreich war, entschied ich mich einfach den Stecker, welchen ich immer bei mir hatte, wieder einzusetzen. Ich ging die folgenden Tage dann zu meinem Piercer und wollte eine neue Kugel haben, eine die diesmal passt. Hätte ich das lieber nicht gesagt... Er gab mir eine Kugel, die viel zu gross für die Fassung war. Ich hatte arge Probleme damit, schon allein die Kugel aus der Fassung zu bekommen, die mein Piercer mit einer Zange reingedrückt hat. Nunja, ich musste noch einige Tage mit dem Stecker verbringen, ehe ich bei einem Kumpel zu Hause mit einer Zange den Piercingring etwas weitete, die Kugel rausnahm, den Ring in meine Lippe steckte und die Kugel wieder hereinsteckte. Nun drückte ich mit der Zange den Ring wieder etwas zusammen, so das die Kugel relativ fest saß. Das hat auch einige Zeit gehalten, bis ich mal wieder betrunken an dem Piercing rumgespielt habe und die Kugel wieder verlor. Ich versuchte in meinem Zustand sofort ein Ersatzpiercing einzusetzen, allerdings gelang mir das auch nach 2 stunden nicht, am Ende fiel das Ersatzpiercing in den Teich.. Ich habe dann ohne Piercing geschlafen und nächsten Tag einfach mein Ringpiercing mit Kugel wieder eingesetzt, das gelang mir, denn ich war mal nüchtern :).


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