... sich vollkommen fühlen ...
At A Glance
Author anonymous
Contact anonymous@bme.anon
When A month ago
Studio Serious Piercing
Location Düsseldorf
Um eines vorweg zu sagen: ich bin nicht der typische Boy und ich mag Piercings nicht extrem, sondern sie müssen ästhetisch sein und mich schmücken. Seit meinem zwölften Geburtstag, als meine Mutter endlich meinem Drängen nach Ohrringen nachgegeben hatte habe ich mir insgesamt 4 Ohrlöcher ins rechte und 2 ins linke Ohr machen lassen und "richtig" gepierct sind mein Bauchnabel, meine Zunge (zwei Stück) und meine Nase (Nostril rechts).

Was ansonsten Piercings im Gesicht betrifft fand ich irgendwie, dass ein Labret irgendwie nicht zu mir passt und andere wie Augenbraue oder Septum (bin doch kein Rind) nicht in Frage kommen. Zudem bin ich ein Schisser was Nadeln angeht.

Vor 4 Wochen traf ich dann nach langer Zeit meine beste Freundin Denise wieder, die zwischenzeitlich nach Düsseldorf gezogen war. Kurz vor meiner Abreise dorthin hatte ich mir noch meine langersehnten Rastazöpfe machen lassen und sie war völlig überwältigt von meinem Look, den sie noch nicht kannte.

Als wir Abends in der Altstadt unterwegs waren kam uns ein bezauberndes Mädchen entgegen. Als sie näher kam sahen wir in Ihrem Gesicht links auf der Oberlippe ein Piercing mit einem Strassstein blitzen. Als wir uns später bei einem Glas Sekt darüber unterhielten wusste ich, dass ich dieses Piercing unbedingt haben musste und auch Denise war der Meinung, dass mir dieses super stehen würde. Vor allem der feminine Look war es, der mich einfach nicht mehr los liess.

Drei Tage später - glücklicherweise hatte es noch vor meiner Rückreise gklappt - fuhren wir dann zum Studio, wo wir erstmal noch gebeten wurden zu warten. Ich war unheimlich aufgeregt, da ich ja noch ein Piercing "so richtig im Gesicht" mir hatte stechen lassen. Nach einer Weile wurde ich dann endlich vom Piercer in den Piercingraum gebeten, der auch einen perfekt sterilen Eindruck machte: also weiße Fliesen, eine Liege, saubere Ablagen etc. Der Piercer selbst sah zwar etwas wild aus, machte aber einensehr vertrauenserweckenden Eindruck - sehr ruhig, gelassen und sehr freundlich.

Er hat mir dann zunächst alles genau erklärt - was er vorbereitend machen wird, dass er erstmal anzeichnet, mit mir die Position abstimmt, wie man es danach pflegt, wie lange es verheilt usw. Dann hat er mich gefragt, ob ich irgendwelche Wünsche den Schmuck betreffend hätte - Größe und Art der Kugel also. Er sagte mir, dass er das Madonna immer mit einem Stud pierct. Ich sagte ihm also, dass ich mich für eine 4mm Kugel mit klarem Strassstein entschieden hätte.

Naja, dann hab ich mich also auf diese Liege gesetzt und versucht zu entspannen. Der Piercer hat dann - ich hatte mich für die linke Seite entschieden - meine Lippe desinfiziert und mich mit irgendeiner Mundspülung gurgeln lassen von innen und aussen betrachtet und die Stelle markiert, wo er dachte, dass es richtig und schön sei. Nachdem ich ihm meine Zustimmung mitgeteilt hatte - nickend, weil irgendwie bekam ich keinen Ton raus - kam dann der eigentlich unangenehmste Teil. Mit einer Piercingzange hat er dann meine Lippe fixiert und angehoben.

Dann hat er die Nadel, die er zwischenzeitlich ausgepackt und auf ein Tablett neben sich gelegt hat genommen und beruhigend auf mich eingeredet, dass ich keine Angst zu haben brauche. Ich sollte konzentriert tief ein- und ausatmen während er redete. Der Stich war dann eigentlich die leichteste Übung, da er so unerwartet kam, dass ich gar nicht reagieren konnte. In Nullkommanix war die Nadel durch und es steckte nur noch das Plastikröhrchen in meiner Lippe, welches er dann auch schon kürzte.

Nun nahm er den Stecker aus der Verpackung, schob ihn von innen in das Röhrchen und dieses mit dem Stecker nach aussen raus. Nachdem er die Kugel fest auf den Stecker aufgeschraubt hatte sagte er ich können nun aufstehen und das Ergebnis im Spiegel betrachten.

Das tat ich und am selben Abend - wir waren nochmal in die Altstadt gefahren - sicher noch einige Hundert Male. Alles worin ich mich spiegeln konnte musste für einen kurzen Blick herhalten und ich glaube, ich habe noch nie so lange am Stück gegrinst.

Die Pflege war einfach und der Verlauf der Heilung bislang vollkommen problemlos. Entgegen der Erwartung ist meine Lippe eigentlich kaum angeschwollen und der Stecker ist nun, da er ja ein Stückchen länger gewählt war, ist nun etwas zu lang, so dass ich ein ums andere Mal schon beinahe darauf herumgekaut habe.

Nächste Woche werde ich mir einen kürzeren Stecker kaufen und ihn wechseln - vermutlich auch noch ne Kugel mit einem hellblauen Stein.

Eines weiss ich sicher - dieses Piercing war die beste Entscheidung. Ich fühle mich einfach vollkommen und kann immer noch nicht davon lassen, mich im Spiegel anzuschauen. Dummerweise haben wir während wir warten mussten in den Tattobüchern herumgeblättert ... ich weiss noch nicht wo, aber das Motiv - ein Schmetterling mit kleinem Tribal rechts uns links - steht schon fest. Ich tendiere zum vielgeschmähten Arschgeweih ...


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