Piercings hatten mich schon immer interessiert. Menschen mit dezenten schönen Piercings habe ich schon immer mehr nachgeschaut als anderen. Um so mehr wuchs der Wunsch in mir, selber eines zu haben. Besonders angetan hatte es mir das Zungenpiercing. Zum einen finde ich es optisch schön, zum anderen ist es nicht direkt für andere sichtbar (denn das ist bei mir auch aus beruflichen Gründen wichtig) und natürlich hatte ich auch gehört was man mit seiner Partnerin zungenpiercingtechnisch so alles machen kann ;-). Meine spätere Freundin hatte übrigens auch eines.
At A Glance Author anonymous Contact anonymous@bme.anon When Five years ago Artist D-I-Y Studio Urlaub in Frankreich Location Frankreich Schön und gut – aber mein größtes Problem war: ich habe seit meiner Kindheit eine fanatisch panische Angst vor Ärzten und Spritzen. Also sich von jemand mit einer Nadel stechen zu lassen oder gar ein Körperteil durchzubohren stellte mich vor ein riesiges Problem. Also hab ich mich zunächst mal im Internet informiert, jede Mange Foren durchsucht, Fotos angeschaut, und ich bin natürlich auch auf bmezine gestoßen. Klar hab ich festgestellt dass sich unzählig viele piercen lassen und die ganzen Berichte und Fotos haben mir auch geholfen, meine Angst zu mildern. Oder zunächst mal den Wunsch zu festigen auf jeden Fall ein Piercing haben zu wollen. Heute weiss ich es war ziemlich dumm, aber durch meine ganze Leserei im Internet wusste ich bald, worauf man beim Piercen achten musste. Und so versuchte ich mir mit Stecknadeln kleine Piekse in meine Zunge zuzufügen, bis ich sie dann irgendwann durchstach. Das war natürlich völliger Unsinn. Eine Stecknadel ist natürlich viel zu dünn. Zwei Tage dicke Zunge war das Ergebnis. Mein Problem war bald nicht mehr der Schmerz der Nadel sondern dass es ein Fremder tun würde. Denn noch immer hatte ich Angst zu einem professionellen Piercer zu gehen. Mensch hätte ich mal jemand gehabt der mich hingeschleppt hätte, zu dem Zeitpunkt war ich mit meiner piercingerfahrenen Freundin noch nicht zusammen!!
Später hab ich mir dann im Internet eine Piercingnadel und Stecker in verschiedenen Längen bestellt. Ich hatte dann 1 Woche frei und bin in Urlaub gefahren. Am ersten Abend im Hotel hab ich mich vor den Spiegel gesetzt, die originalverpackte Nadel ausgepackt, den langen Stecker mit kochendem Wasser abgespült (irgendwie meinte ich das würde desinfizieren) und dann auf Servietten vor mich gelegt. Dann hab ich meine Zunge abgesucht und so festgehalten und die Nadel positioniert dass es gerade von unten nach oben durchgehen musste. Ein paar mal hab ich gezögert, dann Augen zu und langsam durch. Mein Gott es tat weh – ich war natürlich viel zu langsam. Ich drückte immer fester. Langsam kam die Nadel aus der Zungenoberseite wieder raus, dann hab ich etwas zügiger weitergeschoben. Dann die Nadel aus der Kanüle herausziehen, den Stab mit der Kugel durch die Kanüle schieben, Kanüle herausziehen, die zweite Kugel fest aufgeschraubt, Mund und Zunge mit eiskaltem Wasser ausgespült, aufgeatmet. Dann wurde mir etwas schwarz vor den Augen. Das gab sich aber gleich wieder. Die Zunge schmerzte höllisch, ich betrachtete es im Spiegel und war stolz, es geschafft zu haben und es sah toll aus.
Später habe ich bei McDonalds Wasser mit viel Eis gekauft zum Kühlen. Mein erstes Essen war dann Apfelkompott. Die Zunge ist die nächsten Tage angeschwollen, aber ich habe von vornherein versucht normal zu essen, was anstrengend war aber ging. Danach wurde es immer besser. Als ich aus dem Urlaub zurück war wollte ich aber sicher gehen und bin zu einem Piercer gegangen, weil ich über die Dummheit (es hätte ja auch vieles schief gehen können) nachgedacht hatte. Ja, traute ich mich hin, klar er sollte mir ja auch nicht mehr weh tun – ich weiss das klingst total verrückt. Und feige wie ich war hab ich erzählt ich hätte mich in Frankreich in einem Studio piercen lassen und wollte mal sichergehen ob es richtig gemacht wurde und ordnungsgemäß verheilte. Nun gut, die Piercerin sagte es wäre ein guter und sauberer Stich und alles verheilte wie es sein sollte. Ich habe einen kürzeren Stecker bekommen und ging erleichtert nach Hause. Gespart hab ich aber dabei auch nichts. Der Stecker mit Kugeln war fast so teuer, als wenn ich mich direkt hier hätte piercen lassen. Aber der Preis war ja nicht der Grund.
Dass ich ein Zungenpiercing habe, habe ich bis heute nie bereut. Leider hat meine jetzige Partnerin keins (na vielleicht wird's ja noch was). Aber ich weiss dass ich Glück gehabt habe. Durch meine Do-it-yourself Aktion habe ich mir sicher mehr Schmerz zugefügt als es die professionelle Piercerin jeh getan hätte. Und vor allem war es riskant. Heute weiss ich dass und ich denke ich werde beim nächsten Mal entweder auf das Piercing verzichten oder wenn ich es wirklich haben will auch in ein Studio gehen. Ein paar Stellen interessieren mich noch – und wer weiss, vielleicht gibts ja irgendwann von dem Studiobesuch hier zu berichten. Auf jeden Fall braucht vor nem Zungenpiercing keiner Angst zu haben: es ist total harmlos und lohnt sich in jedem Fall.