Mein Zungenpiercing, die wohl beste intuitive Entscheidung, die ich je getroffen habe...
At A Glance
Author Irina
Contact Irina@bme.anon
When A year ago
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Location Köln
Ich habe angefangen, meinen Körper zu hassen, als ich aufs Gymnasium gewechselt bin. Irgendwie wurde ich ab da nicht mehr so gemocht von den Leuten und ich begann, das auf meine körperliche Hässlichkeit zu schieben. Mit dreizehn habe ich geritzt und mit 16 wurde ich magersüchtig, was schließlich in Bullimie endete (mit der ich bis heute zu kämpfen habe).
Irgendwie wuchs in mir neben dem Hass auf mich selbst aber auch die Abneigung gegenüber anderen. Heute versuche ich ganz bewusst, mich von dieser rücksichtslosen Spassgesellschaft abzugrenzen. Neben meinen Haaren, die ich bereits mit 16 in Dreadlocks transformierte, bin ich so schließlich Veganer geworden, der in Richtung straight edge tendiert (obwohl ich manchmal noch alkohol trinke). Soviel zu mir, einem Freak, der gaaanz langsam beginnt, sich in seiner Haut wohl zu fühlen.

Im Zusammenhang mit meiner Person ist es so also verständlich, dass ich schon immer ein Faible für Piercings und Tattoos hatte und mir bereits mit dreizehn Jahren ein Nasenpiercing stechen liess. Mit fünfzehn folgte ein Bauchnabelpiercing (was ich heute irgendwie bereue... zu viele barbies haben das mittlerweile auch), leider waren meine Eltern ab da taub für weitere Body Mods jedweder Art.

Im Juli 2004 änderte sich die Sizuation: Ich war endlich 18. Vier Wochen später besuchte ich meine Cousine in Köln. Als wir beim Herumschlendern in der Großstadt (für mich Landei immer wieder ein Erlebnis) an einem Piercingstudio vorbeikamen beschloss ich eher intuitiv und ohne große Vorüberlegungen, meine neugewonnene Autorität so richtig auszunutzen und mir ein Zungenpiercing stechen zu lassen. Gesagt, getan...

Nur fünf Minuten später fand ich mich am Tresen wieder, gerade um 125 Euro erleichtert und bereit zur 'Abfertigung'. Irgendwie ging alles wahnsinnig schnell da, wirklich beeindruckend.

Meine Cousine durfte mich leider nicht in den separaten Piercingraum begleiten. Ohne seelischen Beistand und mit wackligen Knien wurde ich dort also von einem relativ schweigsamen Typen empfangen, der sogleich begann, seine Instrumente zusammen zu suchen. Meine Wahl des Studios war übrigens ungeachtet der überstürzten Entscheidung nicht schlecht getroffen, alles war sauber und steril. Der Piercer markierte meine Zunge, fragte ob der Platz okay war und legte nach meiner Zustimmung los.

Ich erwartete irgendeine Art von Betäubung oder so, und dass es wohl noch ein klein wenig dauern würde bis es piekt. Weit gefehlt. Der Typ wischte ein Mal mit desinfizierendem Mundwasser über meine Zunge, klemmte sie mit einer Zange ein, stach die Nadel durch und schraubte den Stab zu. In dem Moment war ich irgendwie viel zu überrascht, um überhaupt sowas wie Schmerz zu empfinden. Es ging auch alles viel zu schnell. Im Nachhinein betrachtet kommt mir der gesamte Vorgang eh ziemlich unspektakulär vor. Es dauerte ja kaum zehn Minuten insgesamt, also vom Betreten des Ladens bis zu seinem Verlassen mit Loch in der Zunge.

Ich befolgte die Pflegehinweise, die mir mit auf den Weg gegeben worden sind, ziemlich penibel: Bis zum Abschwellen der Zunge (also für etwa 2 Wochen) nur Brei, keine Milchprodukte, keine Zigaretten, kein Alkohol. Und natürlich das Benutzen von desinfizierendem Mundwasser und einer Lösung mit Kamille (desinfiziert, gibts in jeder Apotheke).

Leider muss ich an dieser Stelle allen angehenden Zungenpiercingbesitzern den dringenden Rat mit auf den Weg geben, es nicht zu übertreiben mit der Mundpflege. Vorsorglich wie ich bin habe ich nämlich den Fehler begangen, mir zusätzlich eine Mundspülung mit Iod zuzulegen, die meinen Mundraum bei jeder Benutzung leer gefegt hat von jeglichen Keimen und Bakterien. Als Folge geriet meine Mundflora übel aus dem Gleichgewicht und ich bekam einen ziemlich hässlichen pelzigen Belag auf der Zunge. Der verschwand erst durch Wegbürsten mit einer Zahnbürste. Insgesamt verlängerte die Heilungsdauer sich durch meine persönliche Dummheit schließlich auf 4 Wochen bevor mir endlich ein kürzerer Stab eingesetzt werden konnte. Dafür musste ich übrigens nicht extra nach Köln fahren. In einem Piercingstudio in der Nähe wurde mein Stab kostenlos gegen einen kürzeren eingetauscht.

Ob ich dieses Piercing empfehlen würde? Sicher! Es ist zwar ziemlich nervig, sich ein paar Wochen nur von Babybrei etc ernähren zu dürfen, das ist aber definitiv auszuhalten. Und weh getan hat es auch nicht wirklich. Darüber hinaus ist es jedes Mal ein tolles Erlebnis gewesen, wenn ich eine, ahem, flüchtige Discobekanntschaft (von denen gabs nicht allzu viele, wohlgemerkt...bin zu schüchtern und zu unsicher) geküsst habe ohne vorher von meinem Piercing zu erzählen. Jeder Typ war bisher absolut begeistert. Ist aber auch ein ziemlich abgefahrenes Gefühl, jemanden mit einem Zungenpiercing zu küssen. Das ist alle Unannehmlichkeiten wert, glaubt mir.

Überflüssig zu sagen, dass mir mein Zungenpiercing auch ein kleines Sück meines Selbstwertgefühls zurück gegeben hat. Es hat meine Zunge, eigentlich ein ziemlich hässliches Ding (kommt schon - Zungen sind formlos, rosa und schleimig. Schön ist echt was anderes!) in etwas besonderes verwandelt. Bis ich mich selber wieder mag ist es zwar noch ein ziemlich langer Weg, aber es war ja auch erst der Anfang.

Seitdem war übrigens erst einmal Ende mit weiteren Body Mods. Der Grund: Geldmangel. Jetzt dauert es aber nicht mehr lange bis ich Abi habe. Danach werde ich endlich die Zeit haben, zu arbeiten und so etwas Geld für neue Mods zu verdienen.
In Planung sind mehrere Tattoos auf der Wirbelsäule, im Nacken, am Handgelenk, am Knöcheln und auf der Lippeninnenseite. Außerdem werde ich mir dann ein horizontales Clitoral Hood Piercing stechen lassen. Darüber hinaus hat es mir das 'JewelEye' von Rachel Larratt absolut angetan. Falls ich genug Geld zusammen kriegen sollte, wird irgendwann schließlich auch noch eine Brustvergrößerung folgen. Ich werde über weitere Erfahrungen meinerseits beizeiten berichten.

Übrigens empfehle ich euch, es nicht so wie ich zu machen und so überstürzt zu handeln. Nehmt euch genug Zeit, ein gutes Piercingstudio zu finden und macht euch immer wieder klar, dass ein falsch gestochenes Zungenpiercing echte Risiken birgt - bis hin zu Gesichtslähmung. Rückblickend betrachtet hatte ich wohl ziemlich viel Glück, würde es jetzt aber auf jeden Fall anders machen!!!

Abschließend bliebe noch zu erwähnen, dass ich euch ´bei Fragen und Anregungen gern mit Rat und Tat zur Seite stehe. Eventuelle Rechtschreibfehler sind beabsichtigt und dienen der formalen Auflockerung ;o)...




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