Mein kleines unsichtbares Zungenbandpiercing (selbstgestochen)
At A Glance
Author Jule
Contact Jule@bme.anon
When A week ago
Artist ich
Studio mein Zimmer
Location Brandenburg
Piercings finde ich total faszinierend und ist mittlerweile eine richtige Sucht geworden. Ich bin fast 19 Jahre alt und habe momentan 12 Piercings (Madonna, Labret, Zunge, Zungenbändchen, Lippenbändchen, Septum, Tragus, Bauchnabel, beide Brustwarzen, Christina, Klitorisvorhaut). Vier davon habe ich in einem professionellen Piercingstudio stechen lassen und die anderen acht habe ich selbst gestochen. Ungefähr alle 2 Monate breitet sich in mir ein unwiderstehlicher Drang nach einem neuen Piercing aus. Vor ein paar Tagen musste dann unbedingt ein Zungenbändchenpiercing her um dieses Verlangen zu befriedigen. Meine Freunde sagen schon, dass ich eine kleine masochistische Ader hätte, aber ich kann's ja auch nicht wirklich abstreiten.

Ich möchte hier noch erwähnen, dass ich keinem dazu rate, sich ein Piercing selbst zustechen, da die Risiken um ein Vielfaches höher sind! Falls sich doch jemand dazu entscheidet diesen Schritt zu wagen, dann bitte ich denjenigen sich ausführlich über die ganze Sache zu informieren. Ein selbstgestochenes Piercing benötigt das richtige Piercingzubehör.

Nun zu meiner Vorgehensweise: Anfänglich habe ich mir bei BMEzine einige Bilder von Zungenbändchenpiercings angeschaut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, an welcher Stelle das Piercing am besten platziert wird. Es muss genau in der Mitte, nicht zu weit oben und tief genug gestochen werden, damit es nicht herauswächst. Dann habe ich mir einige Erfahrungsberichte durchgelesen. Da es dazu noch keine deutschsprachigen Beiträge gibt, habe ich mich gleich entschlossen, meine Erfahrungen hier darzustellen.

Zuerst habe ich mir im Internet bei eBay eine Piercingzange ersteigert. Bei allen anderen Piercings, die ich mir vorher selbst gestochen habe, musste ich provisorischerweise eine Pinzette oder ähnliche Dinge benutzen, da ich noch keine Zange hatte. Allerdings gestaltete sich dies meistens als nicht sehr effektiv und sehr problematisch, weshalb es höchste Zeit war, mir solch ein Instrument zuzulegen. Eine Piercingzange vereinfacht das Piercen ungemein!

Des weiteren habe ich mir in der Apotheke eine Braunüle gekauft. Eine Braunüle ist unbedingt nötig, bei Selbstversuchen bitte keine einfachen Nadeln geschweige denn Sicherheitsnadeln nehmen! Braunülen sind Nadeln, die von einem kleinem Plastikröhrchen umgeben sind. Nach dem Stechen, wird die Nadel herausgezogen, wobei das Plastikröhrchen im Stichkanal verbleibt, wodurch dann der Schmuck problemlos eingeführt werden kann. Allerdings muss die Braunüle auf die Größe des Schmuckes abgestimmt werden. Ich habe mich entschlossen als Schmuck einen 1,6 mm dicken gebogenen Barbell aus PTFE zu benutzen mit 4 mm Kugeln. Ich habe eine relativ langen Stab benutzt, da das Zungenbändchen am Anfang anschwillt. Einen PTFE-Stab kann man ja nach der Heilungsphase beliebig kürzen. Dazu habe ich mir dann eine Braunüle in Größe 14G gekauft (entspricht einem Durchmesser von 2,1 mm). Desinfektionsmittel habe ich seit meinem ersten Piercing immer zu Hause: „Softasept" zur Hautdesinfektion vor dem Stechen und „Octenisept" zur Wunddesinfektion. Ich benutze auch bei jedem Piercing ein neues Paar Latexhandschuhe aus der Apotheke.

Als erstes habe ich den Tisch in meinem Zimmer abgewischt und mit „Softasept" besprüht und dann Taschentücher (oder Küchenrolle) auf dem Tisch verteilt und nochmals „Softasept" draufgesprüht. Danach habe ich die Zange und den Schmuck desinfiziert und auf die desinfizierten Taschentücher gelegt. Als nächstes habe ich mir „Octenisept" in den Mund gesprüht und habe ca. eine halbe Minute damit gespült und es dann ausgespuckt. Dann setzte ich die Handschuhe auf und desinfizierte sie mit „Softasept". Daraufhin kam die Zange zum Einsatz, indem ich versuchte das Zungenbändchen zu fixieren. Mann muss genau darauf achten, dass man es gleichmäßig zufassen bekommt und gerade fixiert. Das ist mir beim ersten Mal nicht gelungen, so dass ich die Braunüle wieder herausziehen musste um noch mal neu anzusetzen. Jedenfalls habe ich nach dem richtigen Fixieren die Braunüle hindurch gestochen (Braunülen sind meist steril verpackt, deshalb keine Desinfektion nötig). Danach habe ich die Nadel herausgezogen und das Plastikröhrchen verblieb im Stichkanal zurück. Falls man, wie ich, mit einer Zange arbeitet, muss man den hinteren Teil des Plastikröhrchens abschneiden, da dort noch irgendetwas dranhängt, was man nicht durch die Zange hindurchbekommt. Nach dem Abschneiden, kann man jedenfalls auch die Zange entfernen. In die Öffnung des Plastikröhrchens kann man nun den Schmuck stecken. Dann zieht man das Röhrchen heraus und zieht gleichzeitig den Schmuck in den Stichkanal hinein. Danach musste ich nur noch die Kugel draufschrauben, was sich allerdings als sehr problematisch gestaltete, da im Mund alles ziemlich „glitschig" ist und außerdem ist es doch recht schwierig mit zwei Händen im Mund herumzufummeln. Als letztes habe ich dann noch mal mit „Octenisept" gespült.

Mein Zungenbändchenpiercing ist jetzt ein paar Tage alt und tut nicht mehr weh. Anfänglich tat es beim Essen weh, aber das war aushaltbar. Das Sprechen schmerzte auch etwas, aber nur am ersten Tag. Man kann eben nur nicht die Zunge rausstrecken oder damit Essensreste aus den Zähnen popeln! Aber das ist ja nur halb so schlimm.

Zur Pflege ist zu sagen, dass ich früh und abends ein paar Tropfen Kamillan (Kamillekonzentrat, dass es in fast jeder Drogerie oder Apotheke gibt) in Wasser auflöse und damit spüle. Des weiteren trinke ich noch ein bis zwei mal täglich einen Kamillentee. Kamille fördert besonders im Mund die Verheilung von Verletzungen. Außerdem sollte man die ersten paar Tage auf Rauchen und Alkohol verzichten.

Ansonsten ist es ein sehr pflegeleichtes Piercing, was meist nach einer Woche abgeschwollen und verheilt ist. Es sieht echt toll aus und ich habe auch schon Komplimente dafür bekommen. Die meisten sind eher schockiert, aber das stört mich nicht und man muss es ja auch nicht jedem zeigen, da eben nicht jeder versteht, warum man sich an solch einer Stelle pierct. Ich find dieses Piercing jedenfalls einfach wunderschön und in meinem Umkreis bin ich die Einzigste, die ein Zungenbändchenpiercing hat.


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