Nach so vielen Jahren...
At A Glance
Author Grania
Contact Grania@bme.anon
When Three months ago
Artist Piercer
Studio Art and Style
Location Vienna/Austria
Piercings haben sich bereits sehr, sehr früh in meinem Kopf eingetrichtert, meine ersten wollte ich bereits mit 11. Damals meinte meine Mutter glücklich, wenn ich in vielen Jahren erwachsen bin, kann ich machen, was ich will- jetzt sei soetwas doch lächerlich. Und ich war ganz stolz zu behaupten, wenn ich 16 wäre, dürfte sie mir ohnehin nichts mehr vorschreiben.

Sollte sich als richtig erweisen, wie ihr später lesen werdet.

Nach wünschen wie Nasenpiercing oder BNP sah ich mit 13 zum ersten mal ein Zungenpiercing, hautnah. Der Freund, der es trug, war bereits 18 und ich bewunderte ihn, obwohl ich wahnsinnige Angst vor der Prozedur gehabt hätte.

Auch viel später noch blieb mir die Schmerzvorstellung, wie furchtbar eine Nadel in der Zunge sein müßte. Daher beruhigte ich meine Eltern immer wieder- auch nach meinem Nasen- und Nabelpiercing mit 14/15- ,dass ich mir genau dieses Piercing niemals antun würde, ich hätte zu große Angst davor. Das stimmte zu diesem Zeitpunkt auch, abgesehen davon, dass in meiner Familie ZP's als der "Abschaum" bezeichnet wurden. Eher hätten sie mir einen Joint-dreher geschenkt...

Mit 15 1/2 wuchs allerdings meine Neugierde nach dem Verlauf und den "Schmerzen" dieses Piercings und ich ließ mich zu meinem Erstaunen aufklären, dass es kaum weh tun sollte. Mein Ohrknorpelpiercing war relativ schmerzahft, in der Nase tat es auch nicht wenig weh- und da sollte die Zunge(!) nichts mitbekommen?! Nicht vorstelbar, aber mein guter Wille und meine Hoffnungen klammerten sich an jede positive Erfahrung.

Also ging es wieder ans Betteln und Bitten, was allerdings fehlschlug. Nie im Leben hätte ich eine Erlaubnis unterschrieben bekommen.

Bis zu dem herrlichen Tag -ich war bereits 16-, an dem ich erfuhr, dass das Piercingalter hier in Österreich auf 14 herabgesetzt wurde. Ich teilte dies meiner Mutter mit und bereitete sie auf das Schlimmste vor. Ernstgenommen wurde ich anfangs noch nicht, aber wenn ich mir soetwas in den Kopf setze, kann man davon ausgehen, dass es auch geschieht.

Eines Nachmittags, ich war alleine, beschloß ich, jetzt es müsse geschehen. Zunächst rief ich in einer Spontanhandlung meinen (großartigen) Piercer an und machte mir einen Termin aus. Dann, ich hielt es für angebracht, kontaktierte ich meine Eltern telefonisch und brachte es ihnen über die Blumen bei- imemrhin wollte ich danach nicht vor verschlossenen Türen sitzen...sie ahnten es anscheindend bereits und versuchten gar nicht mehr, es mir auszureden. Hätte wahrscheinlich auch wenig Sinn gehabt, ich war sehr entschlossen.

Am Nachmittag ging ich also mit leerem Magen und riesiger Aufregung bzw. Spannung im ganzen Körper alleine (ich hätte Anwesenheit einer Begleitung als nervös-machend empfunden, das mußte ich alleine durchstehen) zu meinem Piercingstudio und setzte mich relativ locker zu dem kleinen Tisch, an dem man das übliche Formular unterzeichnet. Die kommenden Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor...

Als alles unterschrieben war, betrat ich "die heiligen Hallen" und ich schwöre, mein Puls war hörbar.

Gerald klärte mich länger über alles auf und gab mir Listerine zum Spülen. Er mußte mir während der Minuten, in denen er alles vorbereitete, des öfteren sein eigenes Zungenpiercing zeigen, damit mein Mut mich nicht verließ. Er markierte mir die Stelle und ließ sie von mir bestätigen, bevor er mit einem Gel für Schleimhäute kam, dass meine Zunge schmerzunempfindlich machte. Es brannte ziemlich, war aber im Nachhinein gesehen das "Schlimmste" am Ganzen (Trotzdem "danke", es nahm mir mein Herzrasen! ;) ).

Dann nahm er die Klemme und die Nadel zur Hand, lächelte nochmals und fixierte meine Zunge. Fast wollte ich einen Rückzieher machen, aber stattdessen schloß ich die Augen und biss mir gedanklich auf die Lippen. Ich sah noch gerade, dass er zum Stich ansetzte, als ich etwas durch meine Zunge hindurchgleiten spürte, bemerkte, wie er kurz anhielt und dann letztendlich ganz durch war. Nur bemerkt habe ich das Ganze nicht, gerade, dass ein leichter Druck auf meiner Zunge lastete. Das Einsetzen des Schmuckes war absolut nicht mehr der Rede wert und ich spülte erleichtert ein letztes Mal meinen Mund. Geblutet hat es kaum.

Zuletzt bezahlte ich, bekam noch alles zur Pflege schriftlich und fuhr erleichtert und erstaunt, wie einfach es war, nach Hause. <Doch gegessen habe ich den restlichen Tag nichts mehr.> ;-)

Dort erwarteten mich meine Eltern mit schiefem Gesicht, waren aber nicht annähernd böse. Sie lachten mich eher aus, als ich am nächsten morgen vergeblich versuchte eine Banane zu essen. Es tat doch etwas weh und geschwollen war es auch. Bis die Schwellung allerdins zurückging, brauchte es mind. 1 Woche. Essen konnte ich solange Babynahrung, zerkleinertes Obt und Kartoffelpürree. Nach 2 Wochen bekam ich dann einen kurzen Stab nach Wahl gratis eingesetzt und von da an ging es nur mehr bergauf! Mein Vater sieht sich das Teil manchmal ganz gerne an, nur meine Mutter ekelt sich davor. Macht aber nichts, immerhin wissen sie ja nicht, was sie versäumen! Nämlich eine ganze Menge Spaß! :-P


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