Aus langeweile wurd ein Tragus.
Im Jahre 2005 packte mich die Piercingsucht wieder, nach fast fünf - nein sechs Jahren Pause. In meiner Pausierung in Sachen Bodymod reizten mich weder Piercings noch Tattoos. Jeder hatte dieses oder jenes schon, man konnte mich nicht fesseln.
Doch, wie gesagt, dieses Jahr packte mich die Sucht wieder und ich hab mir in knapp 6 Monaten mindestens 10 Piercings stechen lassen, einige davon selbst.
Soviel zum Thema Piercings & Sucht.
Es gibt für mich nichts aufregenderes, als wenn mein Herz so heftig schlägt, dass es fast aus der Brust zu drohen springt, der angenehme Adrenalinschub während des Piercings und die glückliche Erleichertung, wenn man ein neues Schmuckstück an seinem Körper trägt.
Klingt ja fast nach Sex ;)
Nun denn, ich möchte euch von einer Erfahrung erzählen, meinem Traguspiercing, welches eigentlich aus Langeweile und/oder Zeitüberbrückung diente. Ich wollte einfach ein neues Piercing haben haben, ich musste einfach ein neues Piercing haben!
Vor knapp drei Monaten hatte ich nen Termin bei meinem Tättoowierer um die Outlines meines Tattoos nach stechen zu lassen.
An dem Tag war echt viel los im Studio und Tom hatte noch nen Termin vor mir. Stöhrte mich nicht weiter.
Ich ging zu Andi, redete bisschen mit ihm und legte nen 1,6x8mm BCR mit Hämatitstein auf den Tisch. Ich trug diesen zuvor in meinem Septum, allerdings war die Kugel des BCRs zu groß und rieb permanent an meinem Septum, was mich unheimlich störte. Ohne Kugel ließ sich diese Ringgröße hervorragend tragen, also tauschte ich meinen BCR durch einen - damals - CBB in selber Stärke und mit selben Durchmesser aus.
Ich fragte ihn, ob es möglich sei, damit meinen Tragus piercen zu lassen. Er bejate meine Frage, allerdings würde das Piercing in 1,2mm gestochen; von daher würden wir ne dickeren Nadel brauchen.
Uuuh okay, da wurd mir ein bisschen Flau im Magen, sagte jedoch zu und lies ihn inzwischen alles vorbereiten. Ich setzte mich auf eine der schwarzen Ledersofas, die im Studio stehen und beobachtete das bunte Treiben im Studio.
Keine zehn Minuten später holte mich Andi zu sich in den Piercingraum.
Er hatte alles vorbereitet. Nadel, Handschuhe, Schere, meinen mitgebrachten BCR hatte er sterilisiert.
Andi fragte mich auf welcher Seite ich das Piercing haben möchte, ich zeigte auf mein rechtes Ohr und sagte zusätzlich noch "Rechts, bitte", und mir enthuschte ein kleines grinsen.
Ich muss zugeben, dass ich verdammt zimperlich bin, was meine Ohren betrifft. Ich hab da wirklich Angst davor, wenn jemand an meinem Ohr rumfummelt. Liegt vermutlich daran, dass ich einige schlechte Erfahrungen mit geschossenen Helix' gemacht habe. Nun denn. Andi öffnete den BCR mit einer Ringöffnungszange und steckte ihn quasi auf meinen Tragus, bat mich einen Blick in den Spiegel zu werfen und ich sollte sagen ob es passt.
Perfekt, genau da sollte in ein paar Minuten ein Ring meinen Knorpel ziehren.
Andi steckte mir etwas Watte ins Ohr, damit ich das Knacken des Knorpels nicht so stark hören würde, wie ich es schon oft erzählt bekommen habe. Ich hörte das Rascheln, als er die Nadel aus der Packung holte, das zarte, leise "Plob", als er die Schutzkappe der Nadel runterzog. Jetzt würd es losgehen.
Ich schloss - wie immer - meine Augen, atmete tief durch, da spührte ich schon die scharfe Nadel an meinem Tragus.
Ich hab von Natur aus relativ harten und dicken Knorpel und ich denke mir, dass es wohl etwas Kraftaufwand erfordete um die Nadel durch meinen Tragus zu bohren, aber letztendlich war sie dann auch schon durch. Nadel durch das Plastikröhrchen ziehen, ich atmete erleichtert auf. Etwas übel war mir (wie immer, wenn etwas an meinem Ohrknorpel gemacht wird) und Andi fädelte den Schmuck ein.
Da tauchte das ekelhafte Druckgefühl auf, als der Ring endlich drin war. Noch schnell die Kugel reinfriemeln und ordentlich zudrücken.
Geschafft.
Ich bewunderte mein neuestes Schmuckstück im Spiegel, besprach noch kurz die Pflege des Piercings (sowas wird bei mir immer sehr knapp gehalten, da es ja nicht mein erstes Piercing war) und setzte mich nach draussen wo ich keine fünf Minuten später zum tätowieren gebeten wurde.
Im Laufe der nächsten zwei Wochen hatte ich einen nervigen Druckschmerz im Tragus und ich spielte wirklich schon mit dem Gedanken ihn rauszunehmen. Schlafen war an und für sich kein Problem, dennoch etwas unangenehm, da die rechte Seite meine "Liebelingsschlafseite" war.
Ich reinigte mein Piercing zweimal täglich mit Octi, bei stärkeren Verkrustungen mit Wasserstoffperoxyd.
Im zweiten Monat bildete sich dann eine kleine Blase am Stichkanal, ich war genervt. Aber durch intensive Behandlung mit Wasserstoffperoxyd verschwand auch diese nach knapp zwei Wochen.
Heute, fast drei Monate danach macht mir das Piercing keinerlei Probleme mehr. Allerdings fängt mein Tragus etwas zu ziehen an, wenn ich lange draussen bin, besonders jetzt bei Minusgraden.
Aber sonst?
Top gestochen, ich würd es jederzeit wieder machen, obwohl ich in Sachen Ohrknorpelpiercings doch ein Schisser bin.
in diesem Sinne, happy Piercing und frohe Festtage :)
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